FAQs


Was sind lebendige Traditionen?
Lebendige Traditionen sind unser Immaterielles Kulturerbe. Der Begriff bezeichnet Traditionen und Praktiken, die über Generationen weitergegeben werden und uns ein Gefühl von Identität und Kontinuität vermitteln. Dazu gehören beispielsweise Märchen und Sagen, Musik und Tanz, Brauchtum und Feste oder traditionelles Wissen. Das immaterielle Kulturerbe ist vielfältig und vielgestaltig, im Unterschied zum materiellen Kulturerbe verändert es sich stetig.

Was ist die Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz?
Die «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz» enthält 167 repräsentative Elemente des immateriellen Kulturerbes aus allen Landesteilen. Sie zeigt Traditionen aus den Bereichen Musik, Tanz, Theater, Brauchtum, Handwerk, Industrie und Wissen im Umgang mit der Natur, denen in der Schweiz lokal, regional und national besondere Bedeutung zukommt. Zur Erstellung dieser Liste hat sich die Schweiz mit der Ratifizierung der UNESCO-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes verpflichtet.

Warum ist es sinnvoll, eine Liste anzulegen?
Was bewahrt werden soll, muss zuerst identifiziert und dokumentiert werden. Die Inventarisierung des immateriellen Kulturerbes ist darum ein zentrales Element der UNESCO-Konvention. Sie ermöglicht eine gezielte Vermittlung und Förderung einzelner Elemente dieses Erbes. Ferner ist die Inventarisierung eine Bedingung für eine Einschreibung von Elementen in die UNESCO-Listen («Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit» und «Liste des dringend bewahrungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes»).

Inwiefern fördert die Liste die lebendigen Traditionen?
Immaterielles Kulturerbe lebt nur so lange, wie es praktiziert wird und für seine Träger einen Sinn hat. Massnahmen zu seiner Bewahrung können daher nur indirekter Art sein. Sie müssen darauf abzielen, ein Bewusstsein für den Wert lebendiger Traditionen zu vermitteln. Die Liste trägt dazu bei, eine breite Öffentlichkeit für die Bedeutung lebendiger Traditionen zu sensibilisieren sowie die Anerkennung der Träger lebendiger Traditionen zu fördern.

In welchem Zusammenhang steht die Liste der lebendigen Traditionen mit den Listen der UNESCO?
Es gehört zu den Pflichten der Vertragsstaaten der UNESCO-Konvention, das immaterielle Kulturerbe auf ihrem Territorium zu erfassen. Mit der Liste der lebendigen Traditionen erfüllt die Schweiz diese Verpflichtung auf nationaler Ebene. Verschiedene Kantone haben dasselbe auf kantonaler Ebene gemacht. Die UNESCO wiederum führt auf internationaler Ebene eine «Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit» und eine «Liste des dringend bewahrungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes». Ein Eintrag auf der Schweizer Liste ist nicht gleichzusetzen mit einem Eintrag in den UNESCO-Listen, wohl aber Voraussetzung für eine Nominierung für diese internationalen Listen.

Wer hat die Liste der lebendigen Traditionen zusammengestellt?
Die aktuelle Liste basiert auf Vorschlägen der Kantone. Ende Mai 2011 präsentierte das Bundesamt für Kultur die 387 lebendigen Traditionen, die von den kantonalen Kulturstellen für eine Einschreibung in eine nationale Liste vorgeschlagen worden waren.

Die eingegangenen Vorschläge hat eine Steuerungsgruppe unter der Leitung des Bundesamtes für Kultur geprüft und bewertet. Dieser Steuerungsgruppe gehörten Vertreterinnen und Vertreter des Bundes, der Kantone, der Schweizerischen UNESCO-Kommission, der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia sowie wissenschaftliche Fachpersonen an. Die definitive Auswahl von 167 Traditionen wurde nach der Validierung durch die Kantone im Oktober 2011 veröffentlicht. Die Arbeiten wurden im Auftrag des Bundesamtes für Kultur von der Hochschule Luzern koordiniert.

Finalisierte Auswahl für die Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz

Letzte Änderung: 07.09.2012
Grösse: 149 kb
Typ: PDF


Wann und wie wird die Liste aktualisiert?
Immaterielles Kulturerbe muss sich entwickeln können, um lebendig zu bleiben. Deshalb muss auch die Liste der lebendigen Traditionen sich verändern können – so verlangt es auch die UNESCO-Konvention. Weitere Traditionen sind periodisch in die Liste aufzunehmen und Traditionen, die die Kriterien nicht mehr erfüllen, aus der Liste zu entfernen. Die Art und Periodizität der Aktualisierung wird nach einer Evaluation der Pilotphase im Einvernehmen mit den kantonalen Kulturstellen festgelegt werden.

Wie können weitere Vorschläge von Traditionen für die Liste eingebracht werden?
Vorschläge für Traditionen, die ebenfalls in die Liste eingeschrieben werden sollten, können jederzeit über das Kontaktformular eingeschickt werden. Bei der Aktualisierung der Liste werden diese Vorschläge in die Diskussion einfliessen.

Können zusätzliche Bilder, Audio- und Videomaterial für die Liste eingeschickt werden?
Bilder, Audio- und Videomaterial, welche die Darstellung der eingeschriebenen Traditionen verbessern, können jederzeit über das Kontaktformular eingeschickt werden.

Warum soll die öffentliche Hand lebendige Traditionen fördern?
Kulturerbe umfasst nicht nur Bauwerke und Objekte, sondern auch Wissen, Praktiken, Bräuche. In der Schweiz ist die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für das kulturelle Selbstverständnis sowie für das Erscheinungsbild des Landes und der Regionen anerkannt. Nationale und regionale Eigenheiten definieren sich über immaterielle Kulturaspekte. Die traditionellen kulturellen Ausdrucksweisen und Praktiken zu unterstützen, muss deshalb Teil der öffentlichen Kulturförderung sein.

Wie setzt sich der Bund für die lebendigen Traditionen weiter ein?
Die Erstellung der Liste steht im Kontext des Förderschwerpunkts «Lebendige Traditionen» des Bundes. Mit verschiedenen Projekten beleuchten das Bundesamt für Kultur, die Stiftung Pro Helvetia, die Schweizerische Nationalbibliothek und das Schweizerische Nationalmuseum die Bedeutung regionaler und traditioneller Kulturformen für das gesellschaftliche und künstlerische Leben in der Schweiz.