Nidwalden


Der Kanton Nidwalden ist reich an lebendigem Brauchtum. Die meisten lebendigen Traditionen, die teilweise seit Jahrhunderten gelebt und gepflegt werden, sind einerseits vom ländlich-bäuerlichen Alltag und andererseits von der katholischen Praxis geprägt. Die lebendigen Traditionen sind sowohl für die kulturelle Identität als auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt von grossem Wert. Zudem tragen sie viel zur Einmaligkeit und Dynamik des kulturellen Lebens in unserem Kanton bei. Gemäss seinem kulturpolitischen Leitbild pflegt der Kanton Nidwalden «die über das Gestern und Heute hinaus weisenden materiellen und immateriellen Kulturgüter. Gleichzeitig fördert er die Entstehung von Neuem. Erst im Zusammenspiel von Neuem und Altem formen sie ein legendige Kulturregion.»

Gemeinsame Liste der Zentralschweizer Kantone

Mit der Ratifikation des UNESCO-Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes hat sich die Schweiz verpflichtet, Massnahmen zur Sicherung und Förderung des Kulturerbes zu ergreifen. Zentrales Element ist die Erstellung einer nationalen Liste des immateriellen Kulturerbes. Der Kanton Nidwalden hat sich entschieden, das Projekt gemeinsam mit den anderen fünf Zentralschweizer Kantonen Luzern, Obwalden, Schwyz, Uri und Zug zu erarbeiten. Dieses Vorgehen erscheint sinnvoll, weil die meisten wichtigen lebendigen Traditionen im Kanton Nidwalden auch in anderen Innerschweizer Kantonen gepflegt werden. Der in Zug aufgewachsene und in Engelberg lebende Kulturwissenschaftler Dr. Marius Risi, Leiter des Institutes für Kulturforschung Graubünden, wurde als Projektleiter eingesetzt. Marius Risi machte eine detaillierte Literatur- und Archivrecherche, führte in jedem Kanton Workshops mit Expertinnen und Experten durch, formulierte zuhanden der Kulturbeauftragtenkonferenz Zentralschweiz bzw. zuhanden einer nationalen Steuerungsgruppe Vorschläge für die Zentralschweizer Einträge und erstellte schliesslich die Dokumentationen für die lebendigen Traditionen.

Auf der nationalen Liste mit total 167 Einträgen befindet sich ein Eintrag, der nur in Nidwalden beheimatet ist (Wilderergeschichten), 15 Zentralschweizer Einträge mit Nidwaldner Bezug (beispielsweise Fasnacht, Innerschweizer Volksmusikpraxis) und neun schweizerische Einträge, die lebendige Traditionen betreffen, die auch in Nidwalden von Bedeutung sind (beispielsweise Blasmusik, Schwingen oder Jassen).

Gelebtes Brauchtum in Nidwalden

Während des ganzen Jahres begegnet man in Nidwalden gelebtem Brauchtum. Unzählige Vereine und Organisationen sorgen dafür, dass es gepflegt wird und lebendig bleibt.

In Nidwalden wird viel gesungen, musiziert und getanzt. Verschiedene Formationen, Gruppierungen und Vereine pflegen aktiv und innovativ Volksmusik und -tanz. In Nidwalden gibt es eine rund neunzigjährige, in Vereinen organisierte und qualitativ gute bis hochstehende Jodlertradition. Die Szene ist etabliert, respektiert und lebendig. Seit 2010 findet in Stans regelmässig ein Jodelstammtisch statt. Auch die Instrumentale Ländlermusik ist gut verankert. Es existieren rund siebzig Ländlerformationen. Die Palette der Zusammensetzungen reicht vom Handorgelduett übers Ländlertrio bis zur Kapelle, jene der Stile vom Innerschwyzer-Stil über den Schwyzerörgerli-Stil bis zur neuen Volksmusik. Letztere ist in Nidwalden stark vertreten und machten den Kanton in den letzten Jahren zu einem eigentlich Szeneplatz für innovative Ansätze.

Das Laientheater ist im Kanton – wie in der ganzen Zentralschweiz – sehr verbreitet und gesellschaftlich stark verankert. Mit Ausnahme von Beckenried existiert in jeder Gemeinde mindestens ein Theaterverein. Wichtige Impulse gingen ab dem 17. Jahrhundert vom Theater des Jesuitenkollegiums in Luzern aus, das grossen Einfluss auf das «Kollegitheater» in Stans hatte. Von dort aus fand die Lust am Theaterspiel im 19. Jahrhundert den Weg auf die Bühnen der einzelnen Gemeinden, die zum Teil über 150jährige Tradition haben.

Der Einmarsch der französischen Armee 1798 ist ein historisches Ereignis, das heute noch Stoff für unzählige Geschichten liefert und darüber hinaus in gesellschaftlichen Selbstvergewisserungsdebatten des 20. Jahrhunderts eine leitmotivische Funktion erlangte. Noch heute bietet der «Franzosenüberfall» viel Stoff für Geschichten. Im Gedenken an den Einmarsch findet jeweils im August das Überfallschiessen, ein Schützenfest, statt.

Das St. Nikolaus-Brauchtum ist in Nidwalden vielfältig. Vielerorts macht der «Samichlaus» zusammen mit «Schmutzlis» Hausbesuche bei Familien mit Kindern. Zum kulinarischen Inventar gehören Nüsse, Mandarinen, Lebkuchen und Schoggi. Darüber hinaus kennen zahlreiche Orte einen Samichlaus-Einzug oder -Auszug. Diese Ein- und Auszüge haben lokal spezifische Ausprägungen, wie die Geiggelfiguren in Stans oder die Iffelenträger in Beckenried. Mit dabei sind auch immer Trychlergruppen.

Die Fasnacht ist in Nidwalden eine feste Grösse. Es finden in Beckenried, Ennetbürgen (alle 2 Jahre), Hergiswil und Stans grössere Umzüge statt. Jede Gemeinde verfügt über ihre eigenen fasnächtlichen Veranstaltungen und Bälle, die in der Regel von der Frohsinngesellschaft organisiert werden. Mit Ausnahme von Emmetten, Oberdorf und Wolfenschiessen verfügt jede Gemeinde über mindestens einen Guggenmusik-Verein; im ganzen Kanton sind es 13 an der Zahl. Diese vereinen sich jeweils am Guuggenüberfall in Stans.

Sehr beliebt ist das Kaisern, ein Spiel mit 48 Karten, das dem Jass verwandt ist. Die Wurzeln des Kartenspiels lassen sich bis ins Spätmittelalter zurück verfolgen. Innerhalb der Schweiz wird es nur noch in den Kantonen Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri ausgiebig gepflegt, wobei die Regeln je nach Ort etwas differieren. In Nidwalden konnte dank der Initiative des Historischen Vereins, der seit Ende der 1970er Jahre Kurse und Meisterschaften organisiert, eine neue aktive Generation von Spielerinnen und Spieler entstehen.

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