Solothurn


Der Kanton Solothurn zeichnet sich durch regionale Vielfalt aus. Charakteristische Landschaftselemente des Kantons sind der Jura mit seinen Hügelzügen und das Mittelland. Er zählt 121 Gemeinden (Stand Oktober 2011). Die grösseren Städte im Kanton sind Olten (17‘200 Einwohner), die Hauptstadt Solothurn (16‘200 Einwohner) und Grenchen (16‘000 Einwohner). Wie anderswo in der Schweiz prägen Agglomerationsgemeinden und Landgemeinden den Kanton wesentlich mit. Der Kanton ist in 10 Bezirke aufgeteilt. Mit Ausnahme des protestantischen Bezirks Bucheggberg, der an den Kanton Bern grenzt, ist der Kanton Solothurn traditionell katholisch.

Pflege der kulturellen Vielfalt

Das Kantonsgebiet lässt sich in vier Regionen gliedern: der obere Kantonsteil mit der Hauptstadt und der untere Kantonsteil mit Olten als Zentren, dazwischen die Region Thal-Gäu und im Norden das Schwarzbubenland mit den Bezirken Thierstein und Dorneck. Die Traditionen, die im Kanton Solothurn gepflegt werden, können grob unterteilt werden in solche, die religiös geprägt sind, und in solche aus der ländlichen Kultur, die in ähnlicher Form anderswo auch zu finden sind. Daneben werden in den Städten Olten und besonders Solothurn unter anderem spezifisch historische Traditionen gepflegt. Schliesslich hat das 20. Jahrhundert bedeutende Traditionen hervorgebracht, die mit dem allgemeinen Verständnis von «Brauchtum» keinen Zusammenhang mehr haben, etwa die «Solothurner Film- und Literaturtage», den «Töfftreff Hauenstein in Trimbach» und den «Uhrencup in Grenchen».

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verankerte der Kanton Solothurn die Pflege und Förderung von Kultur als Staatsaufgabe im Gesetz über Kulturförderung von 1967. Seither zählt gemäss Art. 1 lit. h die «Unterstützung von Bestrebungen zur Erhaltung überlieferter Sitten und Gebräuche zu Stadt und Land» explizit zu den Aufgaben der öffentlichen Kulturpflege. Die Pflege der kulturellen Vielfalt darf somit als strategisches Ziel des Kantons Solothurn verstanden werden.

Diese Gewichtung in der solothurnischen Kulturpolitik zeigte sich beispielsweise an der Durchführung des Projekts «Immaterielles Kulturerbe Aargau-Solothurn. Liste der lebendigen Traditionen». Gemeinsam mit dem Kanton Aargau wurde in engem Austausch mit der Bevölkerung das immaterielle Kulturerbe erhoben. Die Ergebnisse mündeten in eine bi-kantonale Liste der lebendigen Traditionen. Diese soll zukünftig als Informationsgefäss für Anliegen sowohl von behördlicher als auch privater Seite dienen. Das Thema des immateriellen Kulturerbes wird dadurch auf längere Sicht für die Kulturpolitik der beiden Kantone von Bedeutung sein. Das Projekt und die daraus hervorgehende Publikation stärken das Bewusstsein der Bevölkerung für ihre eigenen Traditionen.

Beispiele lebendiger Tradition aus dem Kanton

Zu den religiös geprägten lebendigen Traditionen gehören beispielsweise die «Wallfahrten» nach Mariastein, Wolfwil, Meltingen und Oberdorf und das «Palmbinden». Ein Segnungsbrauch neueren Datums ist die «Töffsegnung» auf dem Born in Kappel, welche seit dem Ende des 20. Jahrhunderts jedes Jahr mehrere hundert Motorradfahrer zusammen bringt.

Zu den ländlichen Traditionen gehören in einigen Gemeinden beispielsweise die Aktivitäten der «Stäcklibuebe» in der Nacht auf den ersten Mai (daher zum Teil auch Maibuben genannt) oder bei der Vorbereitung des Fasnachtsfeuers. Daneben gehören der «Banntag» und der «Eierläset», der vor allem auch in den beiden Nachbarkantonen Aargau und Basel-Landschaft gepflegt wird, in diese Reihe. Ferner werden (auch) auf dem Land schon seit Langem verschiedene «Chilbi»-Festivitäten veranstaltet, beispielsweise die «Krebschilbi» in Kriegstetten seit über 500 Jahren (ehemals ein Erntedankfest) oder die «Schnottwiler Chilbi» seit 1775.

Zu den spezifisch historischen Traditionen in den Städten zählen in Solothurn etwa die «Vorstädterchilbi» seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und ihr Bezug zur «Schlachtfeier von Dornach von 1499» (der Schlacht wird in Dornach bis heute noch jedes Jahr gedacht). Dazu gehören auch die zahlreichen Bruderschaften und die «Verleihung des Roth'schen Ehrenkleids» seit 1538 an den ältesten Nachkommen von Hans Roth – den Nachfahren jenes Mannes, der die Stadt Solothurn 1382 vor dem Angriff des Grafen Rudolf II. von Neu-Kyburg gewarnt hat. Für Olten hat das seit 1816 alle zwei Jahre stattfindende «Schulfest» grösste Bedeutung. Die «St. Sebastians-Feier» der Stadtschützen von Olten hat nationale Ausstrahlung. Sie ist 1811 im Zusammenhang mit der Neugründung der Stadtschützen entstanden, die bis auf das Jahr 1488 zurückgehen. Die «Fasnacht in Olten» wird 1563 das erste Mal erwähnt, während «Fasnacht in Solothurn» ihre Anfänge gar im 14. Jahrhundert nahm, damals in Form sogenannter «Fasnachtsspiele».

Zu den hervorstechenden Traditionen, welche jünger sind oder nicht primär mit dem Begriff des «Brauchtums» in Verbindung gebracht werden, gehören neben den oben erwähnten beispielsweise auch die «Oltner Kabaretttage», das US-Car-Meeting «American Live» (mit 25'000 Besuchern) in Oensingen und natürlich die Aktivitäten rund um die Uhrenindustrie in Grenchen.

Daneben werden in den Bereichen des Wissens um traditionelles Handwerk und des Wissens im Umgang mit der Natur Traditionen gepflegt, die ebenfalls zum immateriellen Kulturerbe gehören. Die «Schnapsbrennerei» und der «Weinbau» im Schwarzbubenland sind Beispiele dafür, ebenso die Aktivitäten der sogenannten «Hubelmeteorologen» aus Lohn-Ammannsegg, welche anhand von Bienenbefragungen, Tierfellbeobachtungen und dem Studium des Wetters vergangener Jahre erfolgreiche Vorhersagen machen.

Weitere Informationen

Das immaterielle Kulturerbe in den Kantonen Aargau-Solothurn ist in einer eigenen Liste mit rund 500 lebendigen Traditionen erfasst, die von Trägerschaften selbst, von der breiten Öffentlichkeit und von Gemeinden eingebracht worden sind. Zudem sind auf den Gemeindehomepages häufig unter der Rubrik «Kultur» respektive «Brauchtum» kommunale lebendige Traditionen aufgeführt wie etwa bei Lommiswil oder Hofstetten-Flüh.

Die Vorschläge für die Kantone Aargau und Solothurn wurden von Karin Janz, Hans Joerg Zumsteg und André Schluchter in Zusammenarbeit mit einem Ausschuss von vier Mitgliedern der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde erarbeitet. Die Dossiers haben Karin Janz und Kira von Rickenbach verfasst.

Referenzen