Uri


Im Kanton Uri, im Herzen der Schweiz gelegen, lassen sich viele kulturelle Besonderheiten entdecken. Rund um die bekannte Tell-Saga und den Gotthard-Mythos trifft man auf kleinstem Raum auf faszinierende Naturlandschaften, charakteristische Dorfbilder und jahrhundertalte Traditionen. Die Lage an der Nord-Süd-Verbindung hat die Kultur des Kantons massgeblich geprägt, zeigt sich beispielsweise in den südlichen Einflüssen in der Architektur des Hauptorts Altdorf. Im aktuellen Kulturschaffen setzt sich die Verknüpfung von Traditionsbezug und Offenheit fort. Das alte Tellenspiel von 1512 wird zur freiheitssuchenden Tell-Inszenierung unter Volker Hesse. Volkstheatergruppen und professionelle Kunstschaffende beleben die Sagensammlung von Josef Müller. Das «Haus der Volksmusik in Altdorf», beheimatet im imposanten Zeughaus mitten in Altdorf, bringt «alte» und «neue» Volksmusik zusammen und ist zu einem nationalen Kompetenzzentrum für diese Musikrichtung geworden. Mit den «Alpentönen» hat Uri einen grenzüberschreitenden Treffpunkt der alpenländischen Musik geschaffen, mit dem «Volksmusikfestival Altdorf» ein weit ausstrahlender nationaler Event und ergänzt damit auf ideale Weise die Zentralschweizer Festivals «Obwald» und «Stanser Musiktage». Gerade die Musik ist fest in der Bevölkerung verankert. Über siebzig Volksmusikkapellen sind aktiv im 35‘000 Einwohner zählenden Kanton.

Zusammenarbeit der Zentralschweizer Kantone

Mit der Ratifikation des UNESCO-Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes hat sich die Schweiz verpflichtet, Massnahmen zur Sicherung und Förderung des Kulturerbes zu ergreifen. Zentrales Element ist die Erstellung einer nationalen Liste des immateriellen Kulturerbes. Uri hat das Projekt gemeinsam mit den anderen fünf Zentralschweizer Kantonen Luzern, Obwalden, Nidwalden, Schwyz und Zug realisiert, um den Zusammenhängen im Traditions-, Mentalitäts- und Kulturraum Zentralschweiz Rechnung tragen zu können. Der Kulturwissenschaftler Dr. Marius Risi, Leiter des Institutes für Kulturforschung Graubünden, erarbeitete mit kantonalen Experten die Zentralschweizer Auswahl der lebendigen Traditionen. Er formulierte zuhanden der Kulturbeauftragtenkonferenz Zentralschweiz bzw. zuhanden einer nationalen Steuerungsgruppe Vorschläge für die Zentralschweizer Einträge und erstellte schliesslich die Dokumentationen für die lebendigen Traditionen. Von 167 nationalen Einträgen ist eine lebendige Tradition allein in Uri beheimatet (die «Woldmanndli» aus Andermatt), 15 Zentralschweizer Einträge haben starken Urner Bezug (beispielsweise die Innerschweizer Volksmusik oder die historischen Befreiungsmythen) und neun schweizerische Einträge sind für Uri von Bedeutung (beispielsweise Schwingen, Jassen oder Blasmusik).

Gelebte Traditionen in Uri

Uri hat eine kantonale Liste der lebendigen Traditionen erstellt, die sich in vier Bereiche gruppieren lassen.

Historische Freiheitsmythen: Viele Traditionen ranken um Entstehungsgeschichten und Sagen (beispielsweise «s‘Greis vo Surenen als Wappentier»). Lebendig sind alte und neue Mythen am Gotthard und die Wirkungsgeschichte Tells – Abhängigkeit und Freiheit bleiben auch heute wichtige Themen. Der «Goldene Ring über Uri» – ein Vermächtnis des Arztes Eduard Renner – hat mit der Deutung des magischen Erlebens das Selbstverständnis der Urnerinnen und Urner beeinflusst. Wichtigste Stätten der Urner Erzähl-, Spiel- und Schrifttraditionen sind die Ludotheken, die Kantonsbibliothek (Uriensis) und das Staatsarchiv.

Dorfkultur, Musik und Gemeinschaft: Träger vieler Traditionen sind Dörfer und Vereine. Sie pflegen Blasmusik, Trachtenwesen, Fahnenschwingen, Alphornspiel, Chorgesang, Jodeln, Volksmusik und Volkstheater. Von ihnen werden weltliche und kirchliche Feste, Jubiläen, Anlässe und Dorfereignisse umrahmt. Lebendig ist das Kirchenjahr mit Advents-, Samichlaus-, Silvester- und Dreikönigsbrauchtum. Bedeutsam sind die Alpauf- und Alpabfahrten mit Sennenchilbi, Schwing-, Schützen- und Älplerfesten. Es wird gesungen («Zogä-n-am-Boogä»), musiziert und getanzt. Drei Institutionen prägen das musikalische Leben: Das «Haus für Musik» (mit der Musikschule Uri), das «Haus der Volksmusik», die «Musikakademie Uri» in Bauen. Zwei Highlights: Das internationale Musikfestival «Alpentöne» und das «Volksmusikfestival Altdorf». Auch Schulen und zwei Lokalzeitungen tragen zur Vermittlung der Traditionen bei.

Fasnacht, Film, Theater, Tanz: Die Fasnacht ist durch den Urner Fasnachtsmarsch (vom Arzt Wilhelm Kesselbach 1894-1919) geprägt und von Dr. Rolf Gisler umfassend dokumentiert worden. Speziell sind der «Drapoling», eine Maske mit Schellenkleidern, oder die «Woldmandli» in Andermatt. Das Dorftheater ist in fast allen Gemeinden präsent. Zu den grösseren Laienbühnen gehören die «Tellspielgesellschaft Altdorf», das «Kulturforum Andermatt», «Moment & Co» und das «Jugendtheater Altdorf». Acht Trachtengruppen pflegen den Trachtentanz, das Jodeln und das Volkstheater. Das Schächental ist bekannt für das «Priisbeedälä». Zu den wichtigsten Institutionen zählen das «Cinema Leuzinger» – es zeigt auch Amateurfilme wie beispielsweise das Holzen wie zu Vaters Zeiten –, das «Theater(uri)» – das zweitgrösste Zentralschweizer Theater – und das «Kellertheater im Vogelsang» Altdorf.

Wildheuen, Waldnutzung und altes Handwerk: In Bergtälern gibt es vereinzelt das alte Handwerk (Schindeln, Korben, Töpfern, Garnflechten, Werkzeug). Lebendig sind Wildheuen, Alpkäsen und Fleischtrocknen, Trychelherstellung, Bildhauerei, Schafwollverarbeitung, Heimarbeit und Strahlerei. Eindrücklich ist Uri als Kristall-Land – hinzuweisen ist auf die Riesenkristalle vom Planggenstock und die zahlreichen Geschichten über Kristalle. Gefährdet oder ausgestorben sind beispielsweise das Holzreisten, das Kalkbrennen oder das Flössen.

Seit 2016 gibt es den «Urner Brauchtumsführer». Dieser ist online und als Download öffentlich (Bestellung an Amt für Kultur, Daniela Epp, Klausenstrasse 4, 6460 Altdorf, daniela.epp@ur.ch, 041 875 20 55). Er beinhaltet zu allen vier Jahreszeiten die wichtigsten Urner Traditionen. Die Traditionen sind auf dem Urner Museumsportal www.museen-uri.ch (Erlebniswelt Uri) einzeln abrufbar.

Referenzen