Die Schindelmacherei


Kategorie:
Traditionelles Handwerk
  • Umgang mit der Natur
Kanton:

Beschreibung

Das richtige Holz aussuchen, es mit Fingerspitzengefühl spalten und jede Schindel im richtigen Winkel zuschneiden: das Knowhow der Schindelmacher ist ebenso präzise wie zeitlos. In der Westschweiz gibt es nur noch etwa zehn Schindelmacher, die dieses Handwerk beherrschen. Sie decken unermüdlich Dächer und verkleiden Fassaden mit Hunderten von Schindeln, diesen dünnen Holzbrettchen, die in den meisten Fällen aus Fichtenholz gefertigt sind. Je nach Grösse und Region werden für die Holzschindeln unterschiedliche Bezeichnungen verwendet. Mit der Zeit nehmen die Schindeln eine silbergraue Färbung an, mit der sich das Holz vor den Witterungseinflüssen schützt. In der Schweiz datieren die ersten Zeugnisse aus der gallo-römischen Zeit. Sie wurden in Holderbank (Solothurn) und Oberwinterthur zutage gefördert. Mit ihnen begann eine lange Geschichte, da die Schindeln im Mittelland erst im 17. und 18. Jahrhundert durch Tonziegel ersetzt und im Berggebiet bis ins 19. Jahrhundert verwendet wurden. Das Aufkommen neuer Materialien und die Massnahmen zur Verhinderung von Dorfbränden hatten zur Folge, dass immer weniger Holzschindeln zum Einsatz kamen. Daher können sie heute nur noch an historischen Gebäuden oder an Alp- und Berghütten bewundert werden. Dächer und Fassaden aus Holzschindeln sind eine Art Wahrzeichen der Freiburger Voralpen. Fassadenschindeln müssen voraussichtlich erst nach rund 100 Jahren ersetzt werden. Dies alles beweist, dass die Schindelmacherei eine harte und wertvolle Arbeit ist; ein Handwerk, das mit Leidenschaft betrieben, aber durch den immer kleiner werdenden Markt bedroht wird.

Bildergalerie

  • Chalet du Pralet, Schindelmacher an der Arbeit an einem grossen Dach © Florence Bays, 2007
  • Rekonstruierte Schindelfassade im Greyerzer Museum im Jahr 1988 © Christophe Dutoit/Musée gruérien, Bulle
  • Chalet de la Monse in Charmey, das älteste Holzgebäude im Greyerzerland (Baujahr gegen 1500) © Glasson/Musée gruérien, Bulle
  • Schindelmacher beim Zuschneiden von Schindeln, Sorens im Greyerzerland, Oktober 1938 © Glasson/Musée gruérien, Bulle
  • Chalet du Pralet, Schindelmacher an der Arbeit an einem grossen Dach © Florence Bays, 2007
  • Rekonstruierte Schindelfassade im Greyerzer Museum im Jahr 1988 © Christophe Dutoit/Musée gruérien, Bulle
  • Chalet de la Monse in Charmey, das älteste Holzgebäude im Greyerzerland (Baujahr gegen 1500) © Glasson/Musée gruérien, Bulle
  • Schindelmacher beim Zuschneiden von Schindeln, Sorens im Greyerzerland, Oktober 1938 © Glasson/Musée gruérien, Bulle

Referenzen und Dossier

Publikationen
  • Jean-Pierre Anderegg : Les chalets d'alpage du canton de Fribourg = Die Alphütten des Kantons Freiburg. Ed. Service des biens culturels. Fribourg, 1996

  • Association romande des tavillonneurs : Charte des tavillonneurs. In : Journal de la construction de la Suisse romande no. 9, vol. 70. Lausanne, 1996

  • Association romande des tavillonneurs : Tavillons, bardeaux, anseilles.Charte de bienfacture des couvertures en bois. In : Bâtir no. 77. Lausanne, 2003

  • Florence Bays : Les défenseurs du tavillon. In : Cahiers du Musée gruérien no. 6. Bulle, 2007, p. 205-214

  • Jules Nidegger : Toits et mantalires. Vevey, 2003

  • Denyse Raymond : Les couvertures en bois. Tavillons et tavillonneurs. L’Industriel sur bois. Lausanne, 1986

  • Jacqueline Veuve : Joseph Doutaz et Olivier Veuve, tavillonneurs. In : Les Métiers du bois. Tavillonneurs. Lausanne, 1989

  • Olivier Veuve, Pierre Grandjean : Tavillons et bardeaux. Lausanne, 2010

Dossier
  • Schindelmacherei

    Ausführliche Beschreibung Letzte Änderung: 28.09.2012
    Grösse: 290 kb
    Typ: PDF