Chlaus-Chlöpfe im Bezirk Lenzburg


Kategorie:
Gesellschaftliche Praktiken
  • Mündliche Ausdrucksweisen
  • Traditionelles Handwerk
Kanton:

Beschreibung

Von Ende Oktober bis am Sonntag nach dem Lenzburger «Chlausmarkt» (am zweiten Donnerstag im Dezember) wird im Bezirk Lenzburg bei einbrechender Dunkelheit mit langen Geisseln «gchlöpft». Jedermann kann eine Geissel zum Knallen bringen, unabhängig von Geschlecht und Alter. In einigen Gemeinden finden auch «Chlauschlöpfwettbewerbe» in unterschiedlichen Kategorien statt. In Hallwil wird am Abend des «Chlausmärts» das «Chlausjagen» durchgeführt und in Niederlenz überbringen die «Weissen und Schwarzen» den Kindern Geschenke, wobei beide Bräuche von «Chlauschlöpfern» begleitet werden.

Das «Chlauschlöpfe» ist eine alte Tradition, die bis ins 16. Jahrhundert belegt ist. Sie geht auf den Glauben zurück, dass man sich durch ohrenbetäubenden Lärm und lautes Knallen der Geisseln vor Dämonen und anderen bösen Einflüssen schützen kann. Eine andere Ursprungsgeschichte erzählt die Lenzburger «Chlaus-Sage»: Das «Chlauschlöpfe» soll den «Samichlaus» in seiner Höhle wecken, der sich – seit er einst von Buben geärgert wurde – in der Stadt nicht mehr zeige.

Neben der Kunst des richtigen Knallens ist auch die Geisselherstellung eine lebendige Tradition, welche schweizweit nur noch an drei Orten gepflegt wird. Einer davon liegt im Kanton Aargau. Das «Chlauschlöpfe» vereint daher mehrere Traditionen in sich: die kulturelle Praxis des «Chlöpfens», das Wissen um die Herstellung der Geisseln und die Überlieferung von Erzählungen wie die Lenzburger «Chlaus-Sage».

Bildergalerie

  • Es lässt sich alleine, zu viert, zu acht oder im Chor «chlöpfe» © Urs Schwager, 2008
  • Das Spinnen der Litzen mit Flachs gehört zu den ersten Arbeitsschritten bei der Geisselherstellung © Robert Werren, Egliswil
  • Die Litzen werden zur Geissel zusammengefügt © Robert Werren, Egliswil
  • Zum Schluss wird die Geissel auf die endgültige Länge «zusammengelegt» © Robert Werren, Egliswil
  • Der «Chlausmärt» in Lenzburg gilt als Höhepunkt des «Chlauschlöpfens». Die Geisseln warten auf ihren Einsatz. © Urs Schwager, 2008
  • Wie hier am Klausmarkt, geben häufig die Eltern die richtige Technik an den Nachwuchs weiter © Urs Schwager, 2008
  • Bei «Chlöpfwettkämpfen» präsentieren Mädchen und Knaben, Frauen und Männer ihr schönstes «Chlöpfe» © Urs Schwager, 2008
  • Bei den Wettkämpfen werden unter anderem die Lautstärke und Regelmässigkeit des Knallens bewertet © Urs Schwager, 2008
  • Es lässt sich alleine, zu viert, zu acht oder im Chor «chlöpfe» © Urs Schwager, 2008
  • Das Spinnen der Litzen mit Flachs gehört zu den ersten Arbeitsschritten bei der Geisselherstellung © Robert Werren, Egliswil
  • Die Litzen werden zur Geissel zusammengefügt © Robert Werren, Egliswil
  • Zum Schluss wird die Geissel auf die endgültige Länge «zusammengelegt» © Robert Werren, Egliswil
  • Der «Chlausmärt» in Lenzburg gilt als Höhepunkt des «Chlauschlöpfens». Die Geisseln warten auf ihren Einsatz. © Urs Schwager, 2008
  • Wie hier am Klausmarkt, geben häufig die Eltern die richtige Technik an den Nachwuchs weiter © Urs Schwager, 2008
  • Bei «Chlöpfwettkämpfen» präsentieren Mädchen und Knaben, Frauen und Männer ihr schönstes «Chlöpfe» © Urs Schwager, 2008
  • Bei den Wettkämpfen werden unter anderem die Lautstärke und Regelmässigkeit des Knallens bewertet © Urs Schwager, 2008

Videoaufnahmen

Wie entsteht eine Geissel? – Film vom Markus Bruder, Egliswil 2010 © Markus Bruder

Referenzen und Dossier

Publikationen
  • Albert Bärtsch: Schweizer Feste und Bräuche. Volksfestkultur im Jahreslauf. Wädenswil, 2009

  • Gemeinde Hallwil (Ed.): Die Hallwiler Mittwinterbräuche. Zum Jubiläum 60 Jahre Brauchtumserneuerung (1949-2009). Hallwil, 2009

  • Margrit Thüler et. al.: Feste im Alpenraum. Schweiz. Österreich. Deutschland. Italien. Frankreich. Zürich:, 1997

  • Ulrich Weber, Heinz Fröhlich: Aargauer Bräuche. Aarau, 1983

Dossier