Gebetsheilen


Kategorie:
Umgang mit der Natur
Kanton:

Beschreibung

In Appenzell Innerrhoden leben Heiltätige, die als medizinische Laien mit Hilfe von altüberlieferten, geheimen Heilsprüchen oder Segensformeln die Schmerzen oder das Fieber nehmen, Blut stillen, Warzen vertreiben oder den «Brand» löschen. Die Kraft des Heilens wird von Generation zu Generation weitergegeben. Für Behandlungen darf von den Gebetsheilenden kein Honorar verlangt werden.

Im Vergleich mit anderen Regionen ist diese Tradition der Heiltätigkeit im Kanton Appenzell Innerrhoden dank eines günstigen (katholischen) Umfelds besonders lebendig geblieben. Sie findet sich aber auch in der Innerschweiz und in der Westschweiz, vor allem in den Kantonen Jura und Fribourg. Die Heilenden verstehen ihre Tätigkeit als Gebet oder üben sie zumindest in inniger Verbundenheit mit Gebeten aus. Schwer abzuschätzen ist die Bedeutung des Gebetsheilens innerhalb des Gesundheitswesens. Obwohl die meisten Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons Kenntnis von dieser medizinischen «Subkultur» haben, handelt es sich um ein Phänomen, das dem Blick der Öffentlichkeit weitgehend entzogen ist. Im individuellen Erzählrepertoire vieler Menschen nehmen jedoch Erlebnisberichte über verblüffende, unerwartete Heilungen durch Gebetsheilende einen festen Platz ein.

Bildergalerie

  • Heilsprüche «Für Wunden und Blutstellung», «Für frische Wunden», «Für Grimmen u. Kolik», um 1900 © Michael Rast/Museum Appenzell
  • Heilsprüche «Für das Gliedwasser», «Für die Bärmutter», «Für Hitz u. Brand», «nimm Anderes», um 1900 © Michael Rast/Museum Appenzell
  • Aufzeichnung eines mündlich überlieferten Heilspruchs, Appenzell 1994 © Roland Inauen/Museum Appenzell
  • Aufzeichnung eines mündlich überlieferten Heilspruchs, Appenzell 1994 © Roland Inauen/Museum Appenzell
  • Heilsprüche «Für Wunden und Blutstellung», «Für frische Wunden», «Für Grimmen u. Kolik», um 1900 © Michael Rast/Museum Appenzell
  • Heilsprüche «Für das Gliedwasser», «Für die Bärmutter», «Für Hitz u. Brand», «nimm Anderes», um 1900 © Michael Rast/Museum Appenzell
  • Aufzeichnung eines mündlich überlieferten Heilspruchs, Appenzell 1994 © Roland Inauen/Museum Appenzell
  • Aufzeichnung eines mündlich überlieferten Heilspruchs, Appenzell 1994 © Roland Inauen/Museum Appenzell

Referenzen und Dossier

Publikationen
  • Martina Bühring: Heiler und Heilen. Eine Studie über Handauflegen und Besprechen in Berlin. Berlin, 1993

  • Anita Chmielewski-Hagius: «Was ich greif, das weich…». Heilerwesen in Oberschwaben, Münster, 1996

  • Roland Inauen, Erhard Taverna, Rudolf Widmer, Peter Witschi: Kräuter und Kräfte. Heilen im Appenzellerland. Ed. Walter Irniger. Herisau, 1995

  • Ebermut Rudolph: Die geheimnisvollen Ärzte. Von Gesundbetern und Spruchheilern. Olten, 1977

  • Ingo Schneider: Volksmedizin zwischen Tradition und Moderne. Von SchruchheilerInnen und MagnetiseurInnen im Montafon. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 89. Basel, 1993, p. 87-100

Dossier
  • Gebetsheilen

    Ausführliche Beschreibung Letzte Änderung: 07.09.2012
    Grösse: 220 kb
    Typ: PDF