Alpenverlosung


Kategorie:
Gesellschaftliche Praktiken
Kanton:

Beschreibung

Das alpwirtschaftlich nutzbare Land gehört im Kanton Obwalden zum grössten Teil den Alpgenossenschaften und Korporationen. Diese Jahrhunderte alten Körperschaften sind für die Verwaltung und Pflege des Weidelands zuständig. Sie entscheiden, wer welche Flächen unter welchen Konditionen wie lange nutzen darf. In fünf der sieben Gemeinden (Giswil, Kerns, Lungern, Sachseln und Sarnen) erfolgt die Vergabe der einzelnen Alpen – sofern die Nachfrage grösser ist als das Angebot – per Losentscheid. In Kerns beispielsweise teilen acht verschiedene Genossenschaften und Korporationen insgesamt 4653 Hektaren Weideland zu, das gemäss neustem Alprecht für zwölf Jahre von der gleichen Person bewirtschaftet werden kann. Am Tag der Verlosung versammeln sich die Alpgenossen respektive die Korporationsbürger in einem grossen Restaurantsaal oder gar in einer Mehrzweckturnhalle. Die Losverfahren variieren von Gemeinde zu Gemeinde. In Lungern würfelt man, in Kerns zieht man Loskugeln aus einem Butterfass. Ein Wurf oder ein Griff entscheidet über Haben oder Nicht-Haben, über ertragreiche oder weniger ertragreiche Weideflächen, kurz: über die zukünftigen wirtschaftlichen Perspektiven der eigenen Landwirtschaft. Am letzten Lostag in Kerns im Jahr 2008 ging mehr als die Hälfte der Aspiranten ohne Alprecht aus. Sie waren in der Folge gezwungen, die Versorgung ihres Viehs während der Alpzeit anderweitig zu organisieren – beispielsweise durch Einkauf von Sömmerungsrechten auf fremden Alpen.

Bildergalerie

  • Kerns, April 2008: Ein Alpgenosse dreht am Butterfass, in dem sich die Loskugeln befinden © Niklaus Ettlin, Kerns
  • Kerns, April 2008: Der Weibel der Alpgenossenschaft (rechts) teilt den Inhalt des Loszettels mit © Niklaus Ettlin, Kerns
  • Kerns, April 2008: Ein Handschlag zwischen Bewirtschafter (links) und Weibel besiegelt das Alprecht © Niklaus Ettlin, Kerns
  • Kerns, April 2008: Rund hundert Bauern bewerben sich für eine der Genossenschaftsalpen © Niklaus Ettlin, Kerns
  • Kerns, April 2008: Ein Alpgenosse dreht am Butterfass, in dem sich die Loskugeln befinden © Niklaus Ettlin, Kerns
  • Kerns, April 2008: Der Weibel der Alpgenossenschaft (rechts) teilt den Inhalt des Loszettels mit © Niklaus Ettlin, Kerns
  • Kerns, April 2008: Ein Handschlag zwischen Bewirtschafter (links) und Weibel besiegelt das Alprecht © Niklaus Ettlin, Kerns
  • Kerns, April 2008: Rund hundert Bauern bewerben sich für eine der Genossenschaftsalpen © Niklaus Ettlin, Kerns

Referenzen und Dossier

Publikationen
  • Amt für Landwirtschaft und Umwelt des Kantons Obwalden (Ed.): Empfehlungen zur Vergabe von land- und alpwirtschaftlichen Flächen und Alpen durch öffentlich- und privatrechtliche Körperschaften im Kanton Obwalden. Sarnen, 2005

  • Monika Barth: Alpenverlosung weckt Emotionen. In: Neue Obwaldner Zeitung, 28. April 2008, p. 21

  • Karl Imfeld: Volksbräuche und Volkskultur in Obwalden. Kriens, 2006, p. 57-59

  • Arnold Niederer: Gemeinwerk im Wallis. Bäuerliche Gemeinschaftsarbeit in Vergangenheit und Gegenwart. Ed. Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde, Basel, 1956

  • Roger Sablonier: Innerschweizer Gesellschaft im 14. Jahrhundert. Sozialstruktur und Wirtschaft. In: Innerschweiz und frühe Eidgenossenschaft. Jubiläumsschrift 700 Jahre Eidgenossenschaft. Band 2: Gesellschaft, Alltag, Geschichtsbild. Ed. Historischer Verein der Fünf Orte. Olten, 1990, p. 9-233

Dossier
  • Alpenverlosung

    Ausführliche Beschreibung Letzte Änderung: 04.01.2013
    Grösse: 256 kb
    Typ: PDF